Leberkrebs − Hepatom

Leberkrebs

Bösartige Neubildungen in der Leber werden als Leberkrebs bezeichnet. Der primäre Lebertumor, der von den Leberzellen ausgeht, wird hepatozelluläres Karzinom (HCC; auch Hepatom genannt). Seltener kommt das Gallenganskarzinom (Cholangiocelluläres Karzinom; CCC) vor, das von den Gallengängen in der Leber ausgeht. Die häufigsten bösartigen Neubildungen in der Leber sind die Lebermetastasen. Auf die beiden letztgenannten Krebsarten wird in der Untergruppe "Lebermetastasen" und "Gallenblase" eingegangen.

In der westlichen Welt treten ca. 10 Fälle /Jahr pro100.000 Einwohner auf, in Afrika und Asien allerdings deutlich mehr mit ca 100 HCC−Fälle/Jahr pro 100 000 Einwohner.

Das Hepatozelluläre Karzinom entwickelt sich meist auf dem Boden einer Leberzirrhose. Die Leberzirrhose ist eine Erkrankung, bei der das gesunde Lebergewebe durch verschiedene Ursachen zerstört wird und dann durch Bindegewebe ersetzt wird. Diese kann vor allem durch eine Hepatitis−B oder C Infektion, durch chronischen langjährigen Alkoholkonsum sowie die Stoffwechselkrankheit Hämochromatose, bei der vermehrt Eisen im Gewebe gespeichert wird, entstehen.

Die primären Anzeichen sind relativ unspezifisch. Oberbauchbeschwerden, Appetitlosigkeit und Abgeschlagenheit führen den Betroffenen meist zum Arzt. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es weiters zu Gewichtsabnahme, Aszites (Wasseransammlungen im Bauch) und einem eventuell tastbaren Tumor im rechten Oberbauch.

Um eine Abklärung durchführen zu können, sind einige Untersuchungen notwendig. Laborwerte sind nicht eindeutig diagnoseweisend. Dennoch sollte neben den Leberwerten auch der Tumormarker AFP (Alpha−Fetoprotein) bestimmt werden. Dieser kann einen ersten Hinweis geben, ist aber nicht immer erhöht.

Die Sonographie (Ultraschalluntersuchung) kann schnell und ohne Strahlenbelastung durchgeführt werden. Diese kann einen Hepatom−verdächtigen Herd ab einer Größe von ca 2−3cm nachweisen. Allerdings ist manchmal die Unterscheidung zu Zirrhoseknoten (Regeneratknoten) schwierig. Eine zusätzliche Gabe von Kontrastmittel während der Untersuchung kann oft Herde wegen der Hypervaskularisierung (gesteigerte Blutgefäßversorgung) des Tumors erkennen lassen, die in der sogenannten nativen (=ohne Kontrastmittel) Untersuchung nicht nachweisbar wären.

Erhärtet sich in dieser Untersuchung der Verdacht auf ein HCC werden weitere bildgebende Verfahren vorgeschlagen.

Die Computertomographie und die Magnetresonanztomographie, jeweils mit Kontrastmittelgabe, sind sehr aussagekräftige Verfahren. Mit Hilfe von Schichtaufnahmen kann man bei dieser Untersuchung Regeneratknoten von bösartigen Herden in der Leber unterscheiden. Ebenfalls lässt sich die genaue Lokalisation des Herdes/ der Herde feststellen und die Gefäßversorgung des Tumors. Diese Aussagen sind unabkömmlich für die weitere Therapieentscheidung.

Bei Diagnose eines HCCs wird eine Stadieneinteilung durchgeführt. Diese erfolgt Tumor spezifisch nach Okuda oder den BCLC Kriterien (Barcelona Clinical Liver cancer) bezüglich der Leberfunktion nach dem Child−Pugh Stadium. Dies erleichtert die Therapieentscheidung.

Therapieoptionen:

Leberkrebs Therapie

Lebertransplantation:

Eine Transplantation sollte in Erwägung gezogen werden, wenn ein Herd > 5 cm oder max. 3 Herde je > 3 cm diagnostiziert werden und eine fortgeschrittene Leberzirrhose besteht. Als Kontraindikation gilt ein Alter über; 65 Jahre, eine unkontrollierte systemische Infektion (zB HIV−Infektion), eine schwere psychatrische Erkrankung sowie ein fortbestehender Alkohol− oder Drogenkonsum. Um eine Abwehrreaktion auf das Fremdorgan zu verhindern, müssen nach der Lebertransplantation lebenslang Immunsuppressiva eingenommen werden.

Leberteilentfernung (Leberresektion):

Die Leberresektion stellt wie die Transplantation einen kurativen Ansatz dar. Ziel der Operation ist es, das vom Krebs befallene Lebergewebe komplett zu entfernen. Eine Kontraindikation gegen die Operation stellt eine ausgeprägte Leberzirrhose sowie eine portale Hpertension (Pfortaderhochdruck) dar.

Perkutane Alkoholinstillation (PEI):

Diese Methode kann bei kleinen Hepatomen angewandt werden. Der Tumor wird unter Ultraschallkontrolle mit einer Nadel punktiert und anschließend höchstprozentiger Alkohol in diesen gespritzt. Dieser Vorgang kann wiederholt werden. Der Alkohol bewirkt, dass das Tumorgewebe abstirbt.

Radiofrequenzablation (RFA)

Diese Therapie ist ein modernes Verfahren, dass den Tumor "verkochen" soll. Mittels Bildgebung (Ultraschall, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie) wird der Tumor lokalisiert und unter Sichtkontrolle wird durch die Haut eine Nadelelektrode in den Tumor gestochen. Die Nadelspitze wird dann auf ca 110 Grad erhitzt, wodurch das Gewebe abstirbt. Im Gegensatz zur Alkoholinstillation muss dieses Verfahren nur einmal angewandt werden. Voraussetzung ist allerdings, dass der Tumor eine maximale Größe von 5cm hat. Die optimale Tumorgröße für die RFA ist ein Herd zwischen 2 und 3cm.

Transarterielle Chemoembolisation (TACE)

Bei diesem Verfahren wird vom Radiologen eine Beinarterie in der Leiste angestochen. Über diese wird ein Katheter bis zur Leberarterie vorgeschoben und die Arterie gesucht, die den Tumor mit Blut versorgt. Anschließend wird über diesen Katheter eine Chemotherapie gespritzt und unmittelbar danach wird die den Krebs versorgende Arterie mit einem Klebstoff vorübergehend verschlossen, damit der Tumor keine "Nahrung" bekommt und das Tumorgewebe dadurch "abstirbt". Diese Therapieoption wird bei Patienten angewandt, bei denen die oben beschriebenen Maßnahmen aufgrund des fortgeschrittenen Stadiums nicht mehr möglich sind.

Neue Therapiemöglichkeiten:

Beim weit fortgeschrittenen hepatozellulären Karzinom gibt es seit kurzer Zeit erstmals ein Medikament, das einen Überlebensvorteil gegenüber keiner Therapie gezeigt hat. Dieses Medikament (Sorafenib) wird täglich eingenommen (2x2 Tabletten). Als Nebenwirkungen können u.a. trockene Haut an Händen und Füßen, Durchfall, Bluthochdruck und Müdigkeit auftreten.

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